Gegen die Regeln – Ein Resümee

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„Gegen die Regeln“ – Nach elf Sitzungen erscheinen diese drei kleinen Worte als die Vermittler eines komplexen, jedoch endschlüsselbaren Systems. Dieses System beruht auf dem Zusammenspiel dessen, was die ‚Regeln’ konstituiert und wie ‚gegen’ diese vorgegangen wird. Es kann nach den Prinzipien der Logik aus der Frage, wie eine Regel im Allgemeinen funktioniert, erfasst werden. Ordnet man die Inhalte des Seminars diesem System anschließend zu, ergibt sich ein Zugang zur Beantwortung der zu Beginn des Semesters genannten Fragen, welche Regeln im und für das 16. Jahrhundert aufgestellt wurden, wie sich diese innerhalb dieser Zeit und darüber hinaus veränderten und wie und weshalb sie gebrochen wurden. Wie die Grafik zeigt, agiert eine Regel auf mindestens fünf Ebenen. Hierbei erweisen sich vor allem die letzten drei als besonders komplex. Es überrascht daher nicht, dass die meisten im Seminar gewonnen Erkenntnisse den drei letzten Ebenen zuzuordnen sind.

Eine Verschlagwortung der im Seminar gesammelten Kenntnisse deckt die angewandten Inhalte der dritten Ebene auf. So konstituiert die Antike einen ersten Regelursprung. „Gegen die Regeln – Ein Resümee“ weiterlesen

Gegen die Regeln – Ein Resümee

Regel und Regelbruch – Ein Bildquiz zur Selbstüberprüfung

Domenikos Theotokopoulus [El Greco], Laokoon, 1610-1614, Öl auf Leinwand,
137,5 x 172,5 cm, National Gallery of Art, Washington.

Giovanni da Bologna [Giambologna], Tommaso Laureti, Neptunbrunnen, 1563-1567, Bronze und Stein, o.A. Maße, Piazza Maggiore, Bologna.

Giacomo della Porta, Giovanni Fontana, Carlo Maderno, Orazio Olivieri, Gartenanlage der Villa Aldobrandini, 1598-1623, Frascati.

Anmerkung bezüglich der Bildrechte:

Wikimedia Commons liefert sowohl für den Neptunbrunnen als auch für die rückseitige Gartenanlage der Villa Aldobrandini nur begrenzt adäquate Bilder. Um die Bildrechte nicht zu verletzen, sind daher weitere Abbildungen in Ilias eingestellt (Anm.: Ilias ist eine private Lernplattform zu universitätsinternen Zwecken und steht daher nur den Mitgliedern des Seminars Gegen die Regeln zur Verfügung)!

Empfohlene Literatur:

  • Ausst. Kat. Wien: Giambologna. 1529 – 1608. Ein Wendepunkt der europäischen Plastik, hrsg. v. AVERY, Charles, Kunsthistorisches Museum, Wien 1978.
  • COLE, Michael, Ambitious Form. Giambologna, Ammanati, and Danti in Florence, Princeton 2011.
  • D’ONOFRIO, Cesare, La villa Aldobrandini di Frascati, Rom 1963.
  • GOLDSTEIN, Carl, Teaching Art. Academies and Schools from Vasari to Albers, Cambridge 1996.
  • MASSON, Georgina, Italienische Gärten, München 1962, S. 149-150.
  • SCHAFFER, Anette, El Greco. Die Erfindung des Laokoon, Basel 2013, S. 38-49.
  • SCHOLZ-HÄNSEL, Michael, El Greco. Prophet der Moderne. 1541-1614, Köln 2014.

 

 

 

Regel und Regelbruch – Ein Bildquiz zur Selbstüberprüfung

14.07.2016 Gegen das Gesetz: Caravaggio

 

 

In der Sitzung zu Caravaggio haben wir uns zunächst mit der Madonna dei Pellegrini/Madonna di Loreto aus den Jahren 1604 – 1606 befasst. Hier haben wir uns gefragt, inwiefern Caravaggio gegen das decorum verstößt. Es sind die lebensnahen aber dennoch nicht idealisierten Darstellungen, die in den mit schmutzigen Füßen dargestellten Pilgern, die unübliche lässige Haltung der Maria, die gegen die Würde des Altarbildes verstoßen. Im Hinblick auf die Sinnlichkeit und grazia der Mariendarstellung blieb die Fragen offen, inwieweit diese auf Caravaggios Madonna dei Pellegrini bezogen werden kann. Auffallend ist, dass sich dieses Werk noch heute an seinem dafür vorgesehen Ort befindet. Wohingegen die meisten Altarbilder Caravaggios aufgrund des mangelnden decorums aus den Kirchen entfernt wurden. Doch was legitimiert seinen Verbleib am Altar?

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14.07.2016 Gegen das Gesetz: Caravaggio

Caravaggio – Madonna dei Pellegrini

Madonna von Loreto (Madonna dei Pellegrini),1604-05, Öl auf Leinwand, 260x150cm, Marini, Maurizio, Caravaggio -pictor praetantissimus-, Rom 2005, 259
Caravaggio, Madonna dei Pellegrini,1604-05, Öl auf Leinwand, 260 x 150 cm, Sant‘ Agostino, Rom

Der Lebenslauf Michelangelo Merisis – meist als Caravaggio bezeichnet – lässt sich lesen wie eine Sensationsreportage der Boulevardpresse. Ein Versuch seine Lebensweise und sein künstlerisches Schaffen voneinander zu trennen scheitert, da er vielleicht nur, aufgrund seiner bewegten Biografie und seine Anwesenheit am Puls des Geschehens, zu künstlerisch Revolutionärem fähig war. Allerdings ist die Biografie nur dank seiner künstlerischen Fähigkeiten interessant. Wir kennen nicht die Biografien seiner Zeitgenossen. Ist sie also so außergewöhnlich? Bereits in der Lehre, im zarten Alter von 13 Jahren, sind „gelegentlich einige Extravaganzen aufgrund seines hitzigen Temperaments und außergewöhnlichen Geistes“ (Mancini, Considerazioni sulla pittura, 1956-57, S. 311) übermittelt. Ist dies alles Inszeniert um sich gezielt in die Außenseiterposition zu begeben?

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Caravaggio – Madonna dei Pellegrini

Caravaggios gewaltvolles Werk – ein Ausdruck seiner Persönlichkeit?

Caravaggio_-_David_con_la_testa_di_Golia
Caravaggio, David mit dem Haupt des Goliath, 1610, Öl auf Leinwand, 125 x 101 cm, Galleria Borghese, Rom

Ogni pintore dipinge sé – Jeder Maler malt sich selbst

So lautet das concetto von Leonardo da Vincis sogenannter automimesis, welche beschreibt, dass sich jeder Künstler in seinen Werken selbst darstellt. Demnach lassen diese sich sowohl von ihrer Physiognomie, als auch von der Psyche leiten, sodass sich beides resultierend daraus in ihren Werken wiederspiegelt.

Ganz nach diesem concetto beschreibt der italienische Kunsttheoretiker Giovanni Pietro Bellori in seinen Künstlerviten (Le vite de’ pittori, scultori et architetti moderni, 1672) Caravaggios Figuren. Aufgrund des „düsteren“ Aussehens des Künstlers (dunkle Augen, schwarze Haare, dunkle Haut) sehen die Protagonisten in seinen Gemälden genauso (grauenhaft) aus. Die vulgären Darstellungen und das fehlende decorum in Caravaggios Werk sieht Bellori als die unausweichlichen Folgen des schlechten Benehmens und des schwierigen Charakters des extrovertierten Künstlers. Bellori geht sogar so weit, dass er Caravaggios stilistische Entwicklung mit der Reflexion über seine Persönlichkeit in Verbindung bringt.

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Caravaggios gewaltvolles Werk – ein Ausdruck seiner Persönlichkeit?

07.07.16: Regellosigkeit im Urteil der Kunstliteratur

In der letzten Sitzung konnten wir am Beispiel der Skulpturengruppe Die Entzückung der S. Teresa von Avila von Gian Lorenzo Bernini, welche in der Cornaro-Kapelle in Rom zu finden ist, einige Beschreibungen von Filippo Baldinuccis Biographie wiederfinden. Bewegtheit, Lebendigkeit, Empfindsamkeit, Wahrheit und schließlich die Vereinigung der Künste sind Begriffe, mit denen er hinsichtlich der Kunst Berninis operiert (Baldinucci, Notizie 1847, Vol. 5, S. 591f., 657f.). In der Skulptur manifestieren sie sich insbesondere in der Gewandbehandlung, der Einbettung in eine umgebende Architektur, welche durch das Spiel mit konvexen und konkaven Elementen die Plastizität der Skulptur noch besonders betont, sowie in der Umsetzung malerischer Elemente in Marmor. Dies tritt in der Figur des Engels sowie der Wolke, auf der sich beide Personen befinden zu Tage. Insgesamt offenbarte sich, dass Berninis Inszenierung alle Elemente zum Nutzen seiner Kunst einsetzte.

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07.07.16: Regellosigkeit im Urteil der Kunstliteratur

Joachim von Sandrart und andere Kunstliteraten zum Künstler Rembrandt Harmenszoon van Rijn und seinem Œuvre

Die nördlichen, protestantisch orientierten Provinzen der Niederlande führten bereits seit 1568 Krieg gegen das katholische Spanien, da sie versuchten, sich wirtschaftlich und religiös von ihnen zu lösen. Kurz vor einem zwölfjährigen Waffenstillstand (1609‒1621) kam am 15. Juli 1606 Rembrandt Harmenszoon van Rijn in Leiden zur Welt. Er verbrachte dort seine Jugendjahre und besuchte eine calvinistische Lateinschule. Nach zwei Studienjahren an der Philosophischen Fakultät der Universität Leiden, ging Rembrandt bei dem Maler Jacob van Swanenburgh in die Lehre. Im Anschluss absolvierte er eine sechsmonatige Fortbildung bei dem Historienmaler Pieter Lastman in Amsterdam. Vermutlich im Jahre 1625 kehrte Rembrandt nach Leiden zurück, um sich als Maler selbstständig zu machen. Innerhalb kurzer Zeit wurde Rembrandt zu einem bekannten Künstler in seiner Heimat.

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Joachim von Sandrart und andere Kunstliteraten zum Künstler Rembrandt Harmenszoon van Rijn und seinem Œuvre